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Schöne Filme brauchen schöne Musik

Wie sich der anspruchsvolle Musikgeschmack, das begrenzte Budget und die Einschränkungen der GEMA miteinander vereinen lassen.

Ich bin Dauerschleifen-Soundcloud-User. Kann mich den ganzen Tag durch die Vielzahl an Tracks und deren Remixe stöbern. Sitze oft stahlend vor meinem Rechner, weil ich es nicht fassen kann, was für Emotionen so manche Musik in mir auslöst. Welche Bilder dabei in meinem Kopf  entstehen. Doch jedes Mal, wenn ich auf der Suche nach Musik für einen meiner zukünftigen Filme bin, ärgere ich mich darüber, dass ich nicht einfach in meiner “Like-Liste” in SoundCloud stöbern kann, um eine der Stimmung entsprechende Musik zu finden. Stattdessen ist es Filmemachern, wenn Sie kein Risiko eingehen möchten, nur möglich, Lizenzen für Musik zu kaufen. Mit begrenztem Budget und dem Anspruch, den man sich eben durch das viele Hören seiner Favoriten erarbeitet hat, scheint das ein riesen Hindernis zu sein. Ich bin seit ca. zwei Jahren dabei, Erfahrungen mit Musiklizensierung, -recherche und -einkauf zu machen. All das Wissen, die Plattformen und Möglichkeiten möchte ich in diesem Artikel mit Euch teilen.

Die folgende Auflistung ist nach Budget geordnet.

Video zum Artikel:

Etwas Anständiges für Lau?

Das hört sich komisch an, wenn man nicht gerade gegen das Urheberrecht verstoßen will. Für mich kommt es inzwischen nicht mehr in Frage, Musik einfach so ohne Erlaubnis, Rücksprache oder Deal mit dem Urheber in meinen Videos zu verwenden. Ich habe das in meinen Anfängen gemacht. Nahm eher unbekanntere Tracks, die im Content-ID-Filtersystem von YouTube nicht vorhanden waren. Das hat fast immer funktioniert, ohne Verwarnung oder jegliche Gefahr meinen Kanal zu verlieren. Ob es deswegen aber legitim ist, ist die andere Frage. Ich beantworte sie definitiv mit nein. Egal wie bekannt und groß ein Künstler ist – dessen Arbeit ohne Berechtigung zu verwenden, zeigt Respektlosigkeit seiner Arbeit gegenüber. – Was aber stattdessen tun?

Persönliche Kontaktaufnahme – Dies wird sicherlich nicht bei einem Adele-Song funktionieren. Aber – und da spreche ich aus eigener Erfahrung – schreckt niemals vor dem Versuch zurück, einen Künstler direkt zu kontaktieren und nach seiner Musik zu fragen. Gerade mit den heutigen Möglichkeiten, jemanden online zu kontaktieren.

Mir gefiel der Track You von Gidge. Ich habe ihn auf Souncloud entdeckt und habe ihn mir perfekt zu meinem nächsten Video vorstellen können. Nach kurzem Zögern habe ich mich dazu entschieden, Gidge aka Ludvig per Mail anzuschreiben. Statt einem Preisvorschlag schilderte ich ihm das Projekt, um welches es sich handelt, bereitete Videostills vor und zeigte ihm auf, was die Hauptmotivation und das Ziel der Sache ist. Schon drei Tage später bekam ich eine Antwort mit der Erlaubnis, den kompletten Track kostenlos zu verwenden. Und das von einem Musiker mit ca. 4000 Followern und einer Aufrufzahl von 27.000 Klicks auf besagtem Track. Fantastisch.

Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Im Endeffekt habe ich eine schriftliche Genehmigung erhalten, ein Musikstück für meinen Film zu verwenden, welches ich normalerweise teuer hätte lizensieren müssen. Daher mein Tipp: Versucht den Künstler direkt zu kontaktieren. Schließlich sind sie – wie auch wir – Menschen, die sich für Bild und Ton begeistern. Stellt Ihr also ein Konzept vor, das sie für unterstützenswert halten, kann durchaus eine super Zusammenarbeit entstehen. Allerdings auch nicht entmutigen lassen, falls denn keine Antwort kommt. Das hatte ich auch schon einige Male.

Kostenlose Musik benutzen – Es gibt tatsächlich einige Plattformen, Websites und Personen, die ihre Musik kostenlos zu Verfügung stellen. Natürlich immer mit der Vorraussetzung, in den Credits genannt zu werden. Was wohl nicht sonderlich viel verlangt ist. Hier eine Auflistung der mir bekannten Websites & YouTube Channels.

Name URL Beschreibung
YouTube Audio Bibliothek https://www.youtube.com/audiolibrary Die eigene Bibliothek von YouTube.
KsTBeats https://soundcloud.com/kstbeats Musik von einem Künstler, der seine Musik kostenlos zu Verfügung stellt.
Circle of Alchemists https://www.youtube.com/watch?v=5C_-3of1Lv8&list=PL9tvaqCAgwmYNJzlnepJ81P4iqvypi4W8 Musik von vier Künstlern, die ihre Musik kostenlos zu Verfügung stellen.
PapafiotMusic http://papafiotmusic.com Musik im klassischen Bereich. Kostenlos benutzbar.
Beaterie Soundcloud https://soundcloud.com/beaterie 18 jähriger Musikproduzent.
Incompetech http://incompetech.com/music/ Musikdatenbank von Kevin MacLeod.
LinoRise http://www.linorise.com Musikdatenbank von Thilo Konstanzer.

Dabei muss man immer bedenken: alles was man hier benutzt, wurde kostenlos zu Verfügung gestellt. Ist man geduldig und einigermaßen geschickt, so lassen sich einige Schätze finden. Beispielsweise von unentdeckten Talenten, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Gerade viele junge selbsternannte Musikproduzenten versuchen, über kostenlose Tracks Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Was aber, wenn man kostenlos wirklich nicht das findet, was man sich vorstellt? Dann also tatsächlich zahlen?

Wenn ich schon zahle, dann will ich auch etwas Gutes!

Viele der genannten kostenlosen Dienste werden schon allein deshalb nicht verwendet, weil sie um Längen nicht mit der Musik mithalten können, die man im Consumerbereich gewohnt ist. Wenn man sich dazu entschieden hat, Geld für die Musik auszugeben, so gibt es da immer noch bestimmte Kategorien.

Im 20€ Bereich! Meiner Meinung nach ist envato ein genialer Vorreiter, der zeigt, was in Zukunft in der Kreativbranche möglich ist. Envato bietet online alles an, was man sich für die Produktion digitaler Medien wünschen kann. Websitedesigns, Videovorlagen, Stockfootage, 3D-Objekte & Grafiken und eben auch Musik und Soundeffekte. Es basiert auf dem Prinzip, dass es wirklich jedem möglich ist, seine “Produkte” zu verkaufen & andere “Produkte” zu kaufen. Envato selbst kontrolliert die Inhalte und legt die Preise fest. Und diese sind im Vergleich wirklich unschlagbar. Fantastische Musik ab $12. Wer also budgetmäßig niedrig gelegte Grenzen hat, sollte sich dort umschauen. Unter einer Vielzahl an billig klingenden Musikstücken findet man ab und zu wunderbare Musik. Auf www.audiojungle.net habe ich schon oft zurückgegriffen. Und ich habe auch vor, selbst Inhalte bei envato zu verkaufen. Wir werden sehen.

Tipps für die erfolgreiche Suche: Man darf sich nicht entmutigen lassen auf der Suche nach passender Musik. Es gibt die Möglichkeit – egal ob bei Suchbegriffen oder unter Genres – die Ergebnisse nach bestimmten Präferenzen zu sortieren. Hier stößt man auf schöne Musik, indem man entweder nach “Rating” oder nach “Sales” sortiert. Schließlich kann der meist verkaufte Track oder der am besten bewertete Track nicht so schlecht sein. Kein Geheimtipp, aber gut zu wissen, bevor man sich von dem Rest der Musik entmutigen lässt.

Darf es mehr sein?

Dann sind hier meine drei Favoriten an Musikdatenbanken, die Musiklizenzen verkaufen. TheMusicBed, MarmosetMusic & UnseenMusic. Alles wundervolle Bibliotheken, auf die ich auch manchmal in meiner Freizeit zurückgreife, um Musik zu hören!

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Diese drei Seiten sind – wenn Geld außen vor ist – meine Favoriten.

Keith Kennif, der Komponist von UnseenMusic wird euch vielleicht erstmal nichts sagen. Hört man sich aber einzelne Stücke an, so kommen diese einem relativ schnell bekannt vor. Das liegt daran, dass er eine riesige Bibliothek mit fantastischer, stimmungsvoller, emotionaler Musik auf die Beine gestellt hat. Diese ist zu hören in diversen Apple-, Instagram- und Facebookwerbungen. Preise werden per eMail ausgehandelt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er bei begrenztem Budget entgegenkommend ist. Falls Ihr dazu Fragen habt, bitte per Privatnachricht melden. Wichtig ist jedoch, das eigene Projekt ausführlich genug zu beschreiben.

TheMusicBed und MarmosetMusic ähneln sich meiner Meinung nach sehr. Jeweils ein junges, dynamisches Team, das versucht, beide Parteien – Musiker und Videoproduzenten –  voran zu bringen. Immer darauf aus, schöne Musik mit schönen Bildern zu vereinen.

Das Ganze braucht man auch nicht weiter zu beschreiben. Schaut Euch die Seiten selbst an. Es geht darum, die Musik an zu machen und die Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen etwas auf seinem Weg helfen. Ich freue mich auf Kommentare. Viel Spaß beim Musikhören!

Gruß,

Felix